Über uns

Im Herbst 2015 gab es in den Nachrichten nur noch ein Thema. Die Flüchtlingskrise war überall präsent und jeden Tag sahen wir Bilder von unendlich vielen, verzweifelten Menschen, die sich auf der Suche nach einem sichereren Leben bis nach Mitteleuropa durchzuschlagen versuchten.

Die Balkanländer waren nicht auf diesen Ansturm vorbereitet und so mussten die Flüchtlinge, zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen, weiter ziehen. Ohne wirkliche Nachtruhe, ausreichend Essen und wetterfeste Klamotten, kamen tausende Menschen auf den verschiedensten Wegen bis zu uns nach Deutschland.

Wir haben uns gefragt, warum die Menschen nicht auf eine sicherere und würdigere Weise von Griechenland aus begleitet werden können. Doch das EU-Asylrecht und das Dublin System erlaubten keine Grenzübertritte von nicht anerkannten Menschen innerhalb der EU. Somit waren die Menschen gezwungen sich illegale und gefährliche Wege zu suchen. Auch die Balkan Staaten durften zwar für Transporte in ihren Ländern, nicht jedoch über Ihre Grenzen hinweg, sorgen.

Als Ungarn beschloss seine Grenze zu schließen und durch einen Stacheldrahtzaun abzuriegeln, verschlimmerte sich die Lage noch weiter.

Da beschlossen wir zu handeln.

Allerdings wussten wir nicht genau wie, denn wir hatten keine Ahnung ob man in die Lager überhaupt ohne Genehmigung betreten darf, wo wirklich Hilfe gebraucht wird und wo entlang die Fluchtrouten laufen.

Zu unserem Glück wurden wir auf die, ebenfalls noch sehr junge Organisation IHA (INTEREUROPEAN HUMAN AID ASSOCIATION) aus München aufmerksam. Die IHA befasste sich mit der Organisation der freiwilligen Hilfe an den Fluchtrouten.

In Zusammenarbeit mit Ihnen sind wir dann im Dezember 2015 endlich mit sechs Freunden von Bremen aus nach Kroatien aufgebrochen.

Mit zwei Autos die voller warmer Klamotten-Spenden waren, fuhren wir 15 Stunden bis ins Kroatische Slavonski Brod.

In der Grenzstadt befand sich ein Durchgangslager, in dem die Flüchtlinge, unter polizeilicher Aufsicht, registriert und dann möglichst schnell mit Bussen weiter gefahren wurden. Auf einem Schlag kamen oft über 1000 Leute, die wir in nur vier Stunden auf engem Raum mit Klamotten und Schuhen versorgen konnten. Anfangs gab es vor allem organisatorische Probleme und die Polizei oder andere Organisationen behinderten unsere Arbeit oder sich sogar gegenseitig. Doch nach einigen Tagen schon hatte man uns im Lager akzeptiert und ließ uns freiere Hand.

Obwohl Slavonski Brod im Vergleich zu anderen Orten sehr gut organisiert war und es dort zumindest eine Grundverpflegung gab, waren wir schockiert. Menschen mit Sandalen im Dezember, kleine Kinder ohne Mützen oder Jacken und der Umgang mit den Leuten, wie mit Menschen zweiter Klasse.

Das alles waren jedoch noch keine wirklich schlimmen Zustände, wie wir bald lernen sollten. Uns erreichte ein Hilferuf aus Idomeni, an der Griechisch-Mazedonischen Grenze.

Dort wurden plötzlich nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak weiter gelassen. Alle anderen strandeten an der Mazedonischen Grenze und dort bildete sich ein sogenanntes Ghetto aus Zelten.

Vier von uns fuhren sofort mit einem Auto voller Zelte, Decken und Schlafsäcke hin, während die anderen in Kroatien weiter arbeiteten.

Die Versorgung in Idomeni war miserabel und die Lebensumstände absolut unmenschlich. Nicht einmal Essen gab es genug und viele der Leute waren gezwungen unter freiem Himmel zu schlafen. Und das im Winter.

Wir kauften Essen von den Spendengeldern, die wir gesammelt hatten und bereiteten zusammen mit den Flüchtlingen ca 1000 Mahlzeiten für alle zu. Trotzdem konnten wir nur wenig ausrichten, denn unser Geld und unsere Zeit waren begrenzt. Wir fanden es unverständlich, dass nicht einmal die Grundversorgung in diesen Lagern gestellt wurde.

Schon kurze Zeit später mussten wir zurück nach Bremen fahren, wo Arbeit und Studium auf uns warteten.

Doch was wir erlebt hatten ließ uns nicht mehr los und das Wissen, dass Menschen hier bei uns in Europa unter solchen Bedingungen leben müssen, begleitete uns in unserem Alltag.

Wir sammelten weiter Spenden, gründeten offiziell einen Verein und organisierten unsere nächste Fahrt.

Doch die Situation veränderte sich laufend, und als wir im März 2016 wieder soweit waren erneut los zu fahren, war die Balkanroute weitestgehend geschlossen.

Die Flüchtlinge hingen jetzt in Griechenland fest, doch nur wenige Stunden von Bremen entfernt, gab es ebenfalls ein großes, illegales Flüchtlingslager, in dem katastrophale Zustände herrschten.

So fuhren wir in das neue Camp La Linere, in Grande Synthe, Frankreich. Dort waren wir mit völlig neuen Situationen, Problemen und Aufgaben konfrontiert. Wir beschlossen, auch diesmal in enger Zusammenarbeit mit der IHA, die Folxküche München dort bei der Verpflegung der Menschen zu unterstützen.

Die rund 1500 Flüchtlinge, die dort leben, versuchen alle nach England zu gelangen, weil sie dort Familie haben, gut Englisch sprechen oder sich eine bessere Zukunft und größere Chancen auf Asyl erhoffen.

Wir lebten, und leben immer noch, mit den Flüchtlingen zusammen im Lager und bereiten drei Mahlzeiten täglich für alle Camp Bewohner zu.

Viele Freunde haben wir dort kennen gelernt, aus verschiedenen Ländern. Ihre Geschichten und Berichte waren so erstaunlich wie erschreckend.

Unser Unverständnis darüber, dass Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen, hier in Europa gezwungen sind, in solchen Lagern unter furchtbaren Bedingungen zu leben, wuchs von Tag zu Tag.

Da es keine legalen Möglichkeiten gibt, nach England einzureisen, müssen die Flüchtlinge sich an skrupellose und gefährliche Schlepper wenden. Einige schon haben auf dem kurzen Weg von Frankreich nach England ihr Leben geben müssen.

Trotzdem herrscht in dem Camp oft eine positive Stimmung und wir wurden unzählige Male zu Tee oder Leckereien in die Hütten der Camp Bewohner eingeladen.

Als wir dieses mal zurück nach Bremen kamen, war uns schnell klar, das wir unsere neuen Freunde nicht einfach zurück lassen können. Und so fuhren wir schon 2 Wochen später erneut nach Nordfrankreich.

Seit April ist nun fast durchgehend immer mindestens eine Person unseres Vereins dort vor Ort, um in der Küche zu helfen, Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren und den Flüchtlingen dort ein Stück ihrer Menschenwürde zurück zu geben.

Wir wollen, dass diese Menschen wissen, das nicht allen in Europa ihr Schicksal egal ist.

Trotzdem beschränkt sich unsere Arbeit meistens auf sehr bodenständige und essenzielle Dinge. Wir gehen jeden Tag einkaufen, um dem Küchenteam, das sich aus Flüchtlingen und Volunteers zusammensetzt, alles zu liefern, was sie brauchen. Wir helfen natürlich auch selbst beim Kochen, bei der Essens- und der Teeausgabe, welche den ganzen Tag über geöffnet ist.

Außerdem haben wir eine Bäckerei gebaut, in der die Menschen ihr eigenes arabisches Brot produzieren können, worüber wir besonders froh sind.

Um all unsere Arbeiten hier aufrecht erhalten zu können, sind wir ständig auf neue Gelder angewiesen, und wir sind sehr froh darüber, dass ihr euch entschlossen habt, uns dabei zu helfen.

Denn das zeigt, dass auch ihr diese Menschen nicht vergessen habt, und das wir hier in Europa eine Verantwortung tragen.

Ihr könnt auch unsere Facebook Seite, Verein für eine schönere Willkommenskultur, liken und dort immer verfolgen, was wir grade machen.

Vielen Dank!

Mit den besten Grüßen,

Euer SWK-Team

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