Bericht

Nochmal ein großes Hallo

Für einen Teil unserer Gruppe ist der erste Aufenthalt in Dunkerque seit Sonntag schon wieder vorbei, da wir wieder zur Arbeit oder Ausbildung müssen. Während unsere Kollegen also die Stellung halten, bin ich seit zwei Tagen wieder in Deutschland und hatte etwas Zeit meine Eindrücke zu verarbeiten.

Hier ist mein Bericht:

Wir haben unendlich viel Obst geschnippelt, Kartoffeln geschält, eine Bäckerei aufgebaut, wichtige Dinge eingekauft und bestimmt eine Millionen Liter schwarzen Tee gekocht.
Aber vor allen Dingen haben wir mit Menschen gesprochen. Und das war für mich fast genauso wichtig, wie Essen auf den Tisch zu bringen.

Die Verzweiflung, die Frustration und Ratlosigkeit, der ich begegnet bin, ist unbeschreiblich groß und es gibt keine Aussicht auf eine Verbesserung der Situation. Die Menschen sind vor Krieg und Verfolgung geflohen; die komplette Familie eines Freundes wurde beispielsweise 2014 im Irak vom so genannten IS getötet. Dann haben sie sich auf einen langen und gefährlichen Weg begeben, in ein besseres und sichereres Leben und haben dafür alles Vertraute in ihrer Heimat zurückgelassen. Nach der lebensgefährlichen Überfahrt nach Griechenland und dem langen Weg durch europäische Länder, die sie immer nur möglichst schnell wieder weiter geschickt haben, sind viele von Ihnen irgendwann in Deutschland angekommen. Hier allerdings haben Menschen aus dem Irak nur bedingt Chancen auf Papiere und eine Arbeitserlaubnis. Aus diesen Gründen oder aber auch, weil sie Familie in England haben, sind die Menschen dann noch weiter gewandert und nach Nordfrankreich gekommen.
Dort ist dann allerdings erst einmal Endstation. Die französische Regierung fühlt sich nicht verantwortlich und kümmert sich nicht um eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge. Im Gegenteil, sie haben Zelte und Hütten weggerissen und sind diesen Menschen mit noch mehr Gewallt gegenübergetreten. Alle Hilfe rund um Calais kommt von NGO’s und freiwilligen Helfern.

Also ergreifen die Menschen die einzige Möglichkeit, die Ihnen noch bleibt und das ist der Versuch auf illegalen Wegen nach England zu gelangen. Die Schmugglermaffia, die sich entwickelt hat, und die Macht die diese besitzt, ist sehr groß und erschreckend. Allerdings haben viele Leute erstaunlich offen mit mir über die Methoden der Schmuggler gesprochen.

Es ist erschreckend welchen Gefahren die Menschen sich und ihre Kinder aussetzen, um nach England zu gelangen. Sie legen sich auf LKW Achsen oder harren zum Teil über 20 Stunden in Tiefkühltransportern aus, nur um dann an der Grenze doch gefunden und wieder zurück geschickt zu werden. Die Gesichter der erfolglos zurückgekehrten Menschen waren wohl das am schwersten zu Ertragene in Dunkerque.
Und dann, in der Nacht von Freitag auf Samstag ist ein Junge aus dem Camp auf der Flucht gestorben, er lag auf einer LKW Achse und der LKW war in einen Unfall involviert, so das der 17 jährige Junge herunter gefallen und gestorben ist.
Die Stimmung im Camp am nächsten Tag ist schwer in Worte zu fassen. „Was sind wir?“ fragte mich einer meiner neuen Freunde, „sind wir keine Menschen? Haben wir keine Rechte?“

Was soll man darauf antworten? Wir sind alle gleich! Natürlich gibt es Unterschiede in der Kultur und der Geschichte die man beachten muss, aber am Ende kommt es auf die Situation und die Zeit an, in der wir Leben. Waren unsre Großeltern nicht auch noch Flüchtlinge?

Niemand sollte in Europa in einem solchen Elend leben müssen, wie man es in Nordfrankreich findet. Niemandem sollte die Möglichkeit vorenthalten werden einer Beschäftigung nachzugehen und sein eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Und erst recht sollte auf unserem Kontinent niemand gezwungen sein sich in lebensgefährliche Situationen zu begeben und möglicherweise zu sterben.

Der Flüchtlingsrat aus dem Camp in Dunkerque hat als Reaktion auf den Tod des Jungen einen offenen Brief an die englische Regierung geschrieben, ihr findet diesen als Foto beigefügt. Bitte lest, teilt und verbreitet ihn um damit Druck aufzubauen!

Wir bleiben weiterhin vor Ort aktiv und berichten euch von allen neuen Geschehnissen und Aktionen. Falls ihr unsere Sache unterstützen wollt, könnt ihr das auf viele verschiedene Weisen tun:

– Erkundigt euch nach den Möglichkeiten neu Angekommene in eurer Nachbarschaft zu unterstützen, lernt sie kennen und seit als Menschen für andere Menschen da.

– Organisiert eure eigene Fahrt! Wenn ihr Zeit und Kraft habt meldet euch bei uns oder bei der IHA http://www.iha.help/ .

– Wenn ihr noch Klamotten, Schlafsäcke, Schuhe oder sonstiges habt was ihr nicht mehr braucht, nehmen wir es gerne mit auf unsere nächste Fahrt, meldet euch einfach. Eine Liste von allem was wir brauchen findet ihr weiter unten auf unserer Seite.

– Falls ihr ein paar Euro übrig habt, können wir euch versprechen, dass sie da ankommen, wo es gebraucht wird, und leider wird es gebraucht. Auch zum Thema Geld spenden findet ihr auch hier auf unserer Seite.

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